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Frau Joanna Mechnich
Aus der Perspektive politischer Bildung ist es hierbei unerlässlich, Diversität als gelebte gesellschaftliche Realität anzuerkennen. Diversität beschreibt die Verschiedenheit der Menschen innerhalb einer Gesellschaft und umfasst zahllose Merkmale wie Alter, geschlechtliche Identität, Migrationsgeschichte(n), Behinderung, soziale Herkunft, sexuelle Orientierung, Religion, Sprache und viele weitere.
Solche Merkmale werden von Menschen allerdings häufig nicht neutral betrachtet, sondern gesellschaftlich mit bestimmten – teils positiven, teils negativen – Zuschreibungen versehen. Das ist insoweit bedenklich, als daraus Vorurteile, Abwertung und Diskriminierung entstehen können.
Diskriminierung findet jedoch nicht nur auf individueller Ebene statt. Problematisch ist es auch, wenn diese Zuschreibungen darüber entscheiden, ob Menschen Zugang zu wichtigen Ressourcen wie Informationen und Bildung erhalten oder sogar davon ausgeschlossen werden.
Wenn gesellschaftliche Regeln, Institutionen und Praktiken bestimmte Gruppen systematisch ausschließen oder benachteiligen – oftmals geschieht dies unbewusst – handelt es sich um strukturelle Diskriminierung. Diese Mechanismen wirken tief in unsere Gesellschaft hinein und zeigen sich etwa in Behörden, Bildungseinrichtungen, Medien oder der Gesetzgebung.
Deshalb muss politische Bildung berücksichtigen, dass solche Gegebenheiten die Gelingensbedingungen für eine gleichberechtigte politische und gesellschaftliche Teilhabe aller Menschen beeinflussen.
Viele Formen politischer Teilhabe sind nicht für alle Menschen gleichermaßen zugänglich. Marginalisierte Gruppen – also Menschen, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden – verfügen oft nicht über die nötigen Ressourcen, um ihre Interessen sichtbar zu machen oder durchzusetzen. Häufig fehlt es ihnen an Informationen, Netzwerken oder dem Gefühl, dass die eigenen Anliegen überhaupt politisch relevant sind.
Bei der Entwicklung von Angeboten der politischen Bildung ist es dementsprechend wichtig, unterschiedliche Lebenswelten zu berücksichtigen. Die tiefe Kenntnis und Auseinandersetzung mit diesen unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten ist deshalb eine Voraussetzung politischer Bildung.
So lassen sich Methoden und Orte auswählen, die geeignet sind, um gesellschaftliche Ausschlüsse nicht zu reproduzieren, also nicht immer wieder aufs Neue hervorzubringen und dadurch zu verfestigen.
Damit politische Bildung gelingen kann, ist es neben interessanten und auf unterschiedliche Zielgruppen passenden Angeboten obendrein unerlässlich, auf die eigene Institution zu blicken und dafür zu sorgen, Diskriminierung in den vorhandenen Strukturen abzubauen.