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Politische Themen als Inhalte eines Theaterstücks: Das Beispiel Populismus

Was bedeutet Populismus? Grundlage für die Entwicklung des Theaterstücks „Pop… Pop… Populismus - Sagen was ist!“ war folgende Definition: Populismus ist die Tendenz, einfache Antworten auf komplizierte Zusammenhänge zu geben, indem vereinfachte Behauptungen und Verallgemeinerungen geäußert werden und Differenzierung wegfällt. [1]

Jugendliche Theater  
Schüler_innen im Theaterstück "Pop... Pop.. Populismus - Sagen was ist!"

Im Rahmen des hier vorgestellten Projekts wurde von folgenden Merkmalen für Populismus [2] ausgegangen: Typisch für Populismus ist, dass in der Regel einfache Antworten auf komplexe Themen unserer Gesellschaft gegeben werden. Die vermeintlich homogene Meinung des Volkes soll vertreten werden und es herrscht harsche Kritik gegenüber bestehenden Institutionen und der sogenannten Elite. Unterschiedliche ideologische und programmatische Richtungen können als populistisch bezeichnet werden.

Im Mittelpunkt stand hier der zur Entwicklungszeit des Theaterstücks gesellschaftlich virulente Rechtspopulismus, der vor allem durch die Fokussierung auf die nationale Identität und die soziale Absicherung gekennzeichnet ist, wodurch bestimmte Menschen bzw. Bevölkerungsgruppen ausgegrenzt werden. [3]

Im Rahmen der Entwicklung des Theaterstücks wurde versucht, diese Merkmale schauspielerisch umzusetzen. Die einzelnen Elemente lassen sich etwa in Vorbereitung des Theaterstücks, als Teil des Schauspiels oder aber auch als alleinstehende theaterpädagogische Übungen in unterschiedlichen Bildungskontexten einbetten.

Im hier vorliegenden Beispiel wurde das Thema Ausgrenzung angesprochen, indem die Zuschauerinnen und Zuschauer zu Beginn der Aufführung nach Merkmalen sortiert und in der Folge Einzelne ausgegrenzt werden.

Das Thema Ausgrenzung kann auch mit folgender Übung erfahrbar gemacht werden:

Beispielübung 1  
Das Stück behandelt auch den Themenkomplex „Mehrheit und Minderheit“. Er wird aufgegriffen, indem Zuschauende auf der Bühne gebeten werden, Fragen zu beantworten und sich dementsprechend räumlich aufzustellen. Hierbei ordnen sie sich jeweils der Mehr- oder Minderheit zu. Mehrheit bedeutet Mehrzahl, d.h. der größere Teil einer bestimmten Anzahl von Personen. Die Mehrheit ist bei Wahlen die Gruppe, die den größeren Teil der abgegebenen Stimmen bekommen hat [4], wohingegen eine Minderheit der kleinere, d. h. der zahlenmäßig unterlegene Teil einer bestimmten Anzahl von Personen oder einer Gemeinschaft ist und bei Wahlen die Gruppe darstellt, die den geringeren Teil aller abgegebenen Stimmen bekommen hat. [5]

Insbesondere bei Mehrheitsentscheidungen, bei denen die Mehrheit bestimmt, hat die Zugehörigkeit zur Mehrheit bzw. Minderheit Folgen, nämlich ob die eigene Meinung erfolgreich ist oder nicht und damit eigene Ziele verwirklicht werden. Aus didaktischer Perspektive sollte die Minderheit dabei lernen, die andere Entscheidung zu akzeptieren, wobei gleichzeitig das Thema Minderheitenschutz thematisiert werden sollte. Schließlich kann die Minderheit auch von der Entscheidung der Mehrheit bedroht sein und Diskriminierung erfahren. Fraglich ist somit, ob die Mehrheit immer Recht hat, weshalb es sich hierbei um ein Spannungsfeld handelt.

Insgesamt erscheint es in diesem Zusammenhang wichtig, dass die Lernenden sich ihrer Meinung bewusst werden, ihre Meinung anschließend vertreten und die unterschiedlichen Meinungen wahrnehmen sowie akzeptieren können. Ihnen sollte bewusst gemacht werden, welche Rolle sie innerhalb eines Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozesses haben und welchen Beitrag sie zur Entscheidung leisten können.

Das Thema Mehrheit und Minderheit kann mit der folgenden Übung reflektiert werden:

Übung 2  

Theater und politische Bildung - das Stück "Pop... Pop... Populismus - Sagen, was ist!"

 

Das gesamte Theaterstück gibt es hier:

https://www.youtube.com/watch?v=BxtHfLxPKAk

Einführung in das Projekt:

https://www.youtube.com/watch?v=a7bhNytF_aE


Die genannten Beispiele zeigen, wie Kernmerkmale von Populismus theaterpädagogisch und schauspielerisch aufgegriffen werden können. Diese unmittelbare Auseinandersetzung ermöglicht es den Lernenden, sich mit einem schwierigen gesellschaftlichen und politischen Phänomen zu beschäftigen und Wege des Umgangs damit zu entwickeln.



[1] Interview mit Gina Schumm am 25. April 2018 im Verein Oldenburger Jugendkulturarbeit e.V.

[2] Mehr Infos zum Thema Populismus liefert zum Beispiel die Bundeszentrale für politische Bildung unter http://www.bpb.de/apuz/75845/populismus.

[3] Decker, Frank: Die populistische Herausforderung. Theoretische und ländervergleichende Perspektiven, in: ders. (Hrsg.): Populismus. Gefahr für die Demokratie oder nützliches Korrektiv?, Wiesbaden 2006, S. 9–32, hier S. 14; und Priester, Karin: Wesensmerkmale des Populismus, in: Bundeszentrale für politische Bildung: Populismus, Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ),2012, 62, 5-6, hier S. 3.

[4] Duden: Mehrheit, in: www.duden.de, URL: https://www.duden.de/rechtschreibung/Mehrheit, [eingesehen am 02.05.2018].

[5] Duden: Minderheit, in: www.duden.de, URL: https://www.duden.de/rechtschreibung/Minderheit, [eingesehen am 02.05.2018].


Weiterführende Literatur zu Populismus gibt es zahlreich. Zu empfehlen sind unter anderem folgende:

- Decker, Frank: Die populistische Herausforderung. Theoretische und ländervergleichende Perspektiven, in:
ders. (Hrsg.): Populismus. Gefahr für die Demokratie oder nützliches Korrektiv? Wiesbaden 2006, S. 9–32.

- Diendorfer, Gertraud/Sandner, Günther/Turek, Elisabeth (Hrsg.): Populismus – Gleichheit – Differenz. Herausforderungen für die politische Bildung. Schwalbach/Ts. 2007.

- Jungkamp, Burkhard/John-Ohnesorg, Marei: Politische Bildung in der Schule – Zeitgemäße Ansätze in Zeiten des Populismus. Berlin 2017.

Theater und politische Bildung - von der Idee zum Theaterstück

 

Theater und politische Bildung - das Stück "Pop... Pop... Populismus - Sagen, was ist!"

 

Autorinnen

Sonja Bakes und Anne-Kathrin Meinhardt

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